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Stellst du immer Techniker*innen mit einem Diplom ein? Denke um!

Mai 14, 2021

4 min read
Eine neue Umfrage in Ungarn zeigt ein allgemeines, sowie internationales Problem auf: Ein Universitätsabschluss sei nach wie vor eher Bedingung für das Besetzen von IT-Positionen. Dies verstärke den IT-Fachkräftemangel.

Im Allgemeinen unterstreichen die Ergebnisse der jüngst durchgeführten Marktumfrage in Ungarn über technische Fähigkeiten stark unsere Annahmen zu der wachsenden Talentlücke, welche wir seit Jahren nicht nur in Ungarn, sondern auch in mehreren anderen europäischen Ländern und weltweit beobachten. Während wir erwarten würden, dass die jüngsten Ereignisse, COVID-19 und die immerwährende Konjunkturschwäche, eine  Verlagerung des Personalbestandes in Richtung Technologie treiben würde, trete das Gegenteil ein und die Kluft sei deutlich erkennbar (und in einigen Ländern wie Großbritannien ist dies tatsächlich sehr deutlich sichtbar). Gleichzeitig beschleunigt sich auch die Geschwindigkeit der digitalen Transformation und zeigt ein deutliches Nachfragewachstum, das langfristig einen wachsenden Fachkräftemangel bestätigt.

Angesichts der Umfrage resultierte folgendes: Die Tatsache, dass ein Universitätsabschluss immer noch als Mindestanforderung für 72% der IT-Jobs aufgeführt sei. Und dies ist offensichtlich ein großes Hindernis für die Digitalisierung. Die Zahl steht für den ungarischen Markt, aber wir verstehen, dass dies ein internationales Problem sein könnte. Aufgrund der widersprüchlichen Quote, welche für uns keinen Sinn ergibt, wollen wir die möglichen Hintergründe erörtern.

In Universitätslehrgängen wird oftmals, und vor allem in den anfänglichen Semestern, grundlegendes theoretisches Wissen wie die Funktionsweise von Computern, die geschichtlichen Aspekte oder diverse Konzepte zu Systemen und Programmen vermittelt. Dies sei als Vorbildung vollkommen legitim. Aus unserer Erfahrung mit unseren Partnern und auf dem Markt im Allgemeinen sehen wir jedoch, dass die meisten IT-Jobs dieses Vorwissen als nicht allzu relevant bewerten.

Was sie andererseits benötigen, sind:

  • Praktische Fähigkeiten, die so schnell wie möglich in Projekten umgesetzt werden können,
  • feste Kenntnisse aktueller Programmiersprachen und / oder digitaler Sprachkenntnisse im Einklang mit aktuellen technologischen Trends und Innovationen,
  • Erfahrung mit einer agilen Arbeitsweise – oder zumindest Berufserfahrung,
  • soziale Kompetenzen wie Kommunikation, Teamarbeit, Präsentationsfähigkeiten, Kreativität und
  • ein starker Drang zu arbeiten und wissbegierig zu sein.

Viele Fähigkeiten davon werden in der ansonsten absolut wertvollen Universitätsausbildung nicht so stark geschult.

Ein Universitätsabschluss alleine ist oft kein Garant für qualifizierte und kluge Köpfe oder für die oben angeführten Eigenschaften und dies kann oft enttäuschend sein. Dies folgert oftmals zu:

  1. Komplikationen und das wiederholende Ausschreiben desselben Jobs und somit einem klar längeren Zeitaufwand im Recruitingprozess und in der Unternehmenszielerfüllung der ausgeschriebenen Stelle,
  2. höhere Personalfluktuation (Uni-Absolvent*innen tendieren dazu, mehr nach einem ROI für ihre höhere Investition von Zeit und Geld in Bildung zu suchen, indem sie eine schnelle Karriereentwicklung bevorzugen), und
  3. Rückschritt bei Diversität und einer Kultur der Chancengleichheit – indem indirekt Kandidat*innen aus gut situierten Familien ausgewählt werden, die es sich leisten können, ihr Kind während eines 4- bis 5-jährigen Studiums zu unterstützen.

Warum dann fast routinemäßig nach einem Abschluss fragen? Besonders angesichts des offensichtlichen Mangels an technischen Talenten. Bei einfach zu besetzenden Stellen mit mehrfacher Überbewerbung handelt es sich häufig um eine funktionierende Strategie zur Einstellung von Mitarbeiter*innen. (Das heißt nicht, dass es gut ist, die optimale Person zu finden, aber effektiv, um die Bewerberzahlen zu senken.) Aber warum auch in der IT-Branche, wo ein Abschluss nicht immer gleich Qualität bedeutet und es eine große Talentlücke gibt, von der wir schon seit Jahren hören?

Aus zwei Gründen: Weil wir daran gewöhnt sind, und weil wir nichts Besseres kennen.

Irgendwann haben Unternehmen damit begonnen, einen Universitätsabschluss wie einen Sekundarschulabschluss zu behandeln, um erstmalig die Kandidat*innen zu filtern. Mit der Erwartung, die Disziplin, die Klasse und einige angeblichen sozialen Kompetenzen wie Kommunikationsfähigkeiten, Kreativität und Empathie zu bekommen, da sie annehmen, dass eine Person mit einem Abschluss besser ist, als ohne einen.

Wir sind immer noch daran gewöhnt zu glauben, dass uns ein Abschluss voranbringt, insbesondere, wenn man sich in eine*n Entscheidungsträger*in bei einem Unternehmen hinein versetzt. Wir möchten, dass unsere Kinder im Erwachsenenalter zur Universität gehen, um ihnen den Weg ins Leben zu erleichtern. Und das ist auch in Ordnung so. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir heute nichts tun können, um die Einstellungspraktiken und -strategien zu verbessern.

Unsere Welt hat sich sehr stark verändert, seitdem Universitäten die besten Indikatoren für den zukünftigen Erfolg in der digitalen Branche waren.

  1. Neue Technologien sind schneller als je zuvor aufgetaucht – was den eher nicht flexiblen Lehrplan der Universität weniger relevant gemacht hat und gleichzeitig eine größere Vielfalt an technischen Fähigkeiten in höherer Kapazität nicht nur in den IT-Abteilungen, sondern auch in allen Geschäftsfunktionen erfordert hat.
  2. Diversität wurde zu einer globalen Priorität und Verantwortung jedes Unternehmens, weshalb der Usus von der Grundvoraussetzung eines Studienabschlusses zur Einstellung aus ethischen Gründen eine fragwürdige Entscheidung ist.
  3. Technische Bildung separierte sich aus dem traditionellen Gebiet der Hochschulbildung, mit dem Ziel, eine echte Alternative zu Universitäten mit kurzen, intensiven, praktischen Kursen und aktuellen praktischen Fähigkeiten in gefragten Technologien anzubieten.

Deshalb ist der Grund, dass „wir es nicht anderes kennen“ so einfach zu beheben. Natürlich sollst du zu Recht misstrauisch gegenüber der Vielzahl an Angeboten von superschnellen digitalen Bootcamp-Kursen sein. Aber beachte, dass nicht alle Bootcamps und Programmierschulen gleich sind.

Wenn du einen außeruniversitären Weg einschlagen willst, überprüfe vorher folgende Aspekte:

  • die Länge des Kurses (du kannst Full-Stack-Development einfach nicht in 4 Monaten lernen),
  • eine agile Arbeitsweise in Lernprojekten,
  • die Verwendung von Englisch in der täglichen Kommunikation,
  • die Qualität der spezifischen Projekte, an denen die Absolvent*innen gearbeitet haben müssen, und die Größe des Projektportfolios,
  • das Gewicht und den Umfang zur Entwicklung von sozialen Kompetenzen im Lehrplan, und
  • die Erfolgsbilanz des Kundens, sowie deren Referenzen.

Manchmal ist die Einstellung einer Person mit Studienabschluss immer noch die beste Lösung. Manchmal aber auch nicht.

Wir empfehlen dir, eine bewusste und gut überlegte Entscheidung über deine Bewerbungskriterien zu treffen, damit du die beste Übereinstimmung für die offene Position findest – um somit den Mangel an IT-Expertise in deinem Unternehmen den Kampf anzusagen.

Codecool ist eine führende Programmierschule in Ungarn, sowie in Polen und Rumänien mit über 1000 Absolvent*innen, die in über 200 Unternehmen in ganz Europa arbeiten. Unser Markenzeichen  ist der 12 + 6-monatige Full-Stack-Developer-Kurs. Wir bieten aber auch Weiterbildungs- und Umschulungskurse, sowie Programme für Unternehmensakademien an, die sich vollständig auf Recruiting, Onboarding und kontinuierliche technische Trainings beziehen. Wir sind stolze Mitglieder der European Social Simulation Association (ESSA), die die Entwicklung der digitalen Bildung in Europa fördert.

Über uns

Codecool ist die am schnellsten wachsende Programmierschule und Tech-Talent-Hub für Europa. Wir wollen den Auswirkungen des IT-Fachkräftemangels aktiv begegnen und Menschen ermöglichen, zukunftssichere technische Karrieren anzunehmen. Wir lösen den Bedarf an IT-Kompetenzen und Ressourcen durch effektives Training und Recruiting. Der Codecool-Blog ist eine Sammlung der coolsten Erkenntnisse und besten Ressourcen für Personalleiter*innen, IT-Verantwortliche, andere Führungskräfte und Kleinunternehmer, die für Tech-Talente und digitale Strategien verantwortlich sind.

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